Die Zimmerei Schmidt in der Presse..

Sophia Heyland: „Dem Holz gehört ihr Herz“ im Münchner Merkur - Landkreis Süd - Donnerstag, 22. Juni 2017
Bei Zimmerermeister Andreas Schmidt (57) aus Ottobrunn ist der Handwerksbetrieb Familiensache
Ottobrunn - 11 Uhr: Interviewtermin mit Zimmerermeister Andreas Schmidt (57), Ehefrau Nina (56) und Sohn Benedikt Schmidt (26) in Ottobrunn. Vor fünf Jahren ist der Sohn in den elterlichen Betrieb „Zimmerei, Holzbau, Dachdeckerei - Andreas Schmidt“ eingestiegen. Langfristig soll er das Unternehmen übernehmen. „Jede Firma lebt von jungen Ideen“, sagt Andreas Schmidt. „Noch schöner ist es, wenn sie aus der Familie kommen.“

Das Zimmererhandwerk hat in Ihrer Familie Tradition. 1975 gründete Großvater Heinrich Schmidt den ersten Betrieb in Ottobrunn. 1999 strukturierten Sie um, nun ist Ihr Sohn mit an Bord. Haben Sie das forciert, dass einer Ihrer drei Söhne übernimmt?
Andreas Schmidt: Dass Benedikt mit eingestiegen ist, ist wirklich ein Glücksfall. So bleiben unser Engagement und unsere Investitionen in Familienhand. Du brauchst Input, und dass der nun von unserem jüngsten Sohn kommt, ist sehr schön. Schließlich gibt es keine Garantie, dass ein Betrieb in Familienhand bleibt- Du kannst auch zehn Kinder haben, und keiner übernimmt.
Benedikt Schmidt: Ich war mit schon nach meiner Schulzeit sicher, dass ich was Handwerkliches mach will. Ich haben meine Lehre in einem anderen Betrieb gemacht und anschließend eine zweijährige Ausbildung zum Bautechniker und Zimmerermeister, bevor ich dann 2014 endgültig ins Familienunternehmen zurückgekehrt bin.

Du sagst: zurückgekehrt. Wie hast du als Kind die Arbeit Deiner Eltern erlebt?
Benedikt Schmidt:
Ich bin schon als kleiner Stöpsel immer mitgefahren auf die Baustelle, das hat mir gefallen. Ich bin also quasi im Betrieb aufgewachsen, genau wie meine beiden Brüder. Mein mittlerer Bruder hat sogar seine Lehre hier gemacht, danach aber noch ein Bauingenieurstudium drangehängt.
Nina Schmidt: Der Benedikt hat schon als kleiner Bub gern mit Holz gearbeitet. Er hat aus dem Kindergarten immer Reparatursachen aus Holz mitgebracht. Und in unserem Garten hat er ein Baumhaus gebaut, erst ein Stockwerk hoch, dann zwei, dann drei - bis unserer Nachbarin gesagt hat: „Jetzt ist Schluss, sonst geht`s ja rauf bis zu meinem Schlafzimmer.“ Also haben wir es abgerissen. Und weil’s ihm dann langweilig war, hat er’s einfach noch mal aufgebaut.

Wie viele Angestellte gibt es in Ihrem Betrieb?
Nina Schmidt:
Wir haben fünf Mitarbeiter, neben Beni, meinem Mann und mir. Dass es viel Arbeit bedeutet, selbstständig zu sein, war Benedikt schon klar, bevor er eingestiegen ist. Er hat es ja jahrelang bei uns gesehen. Es kommt auch schon mal vor, dass wir sonntags im Büro arbeiten.

Sie arbeiten seit 1989 im Betrieb mit und sind heute Vollzeit im Büro. War das so geplant?
Nina Schmidt: Die Arbeit im Büro ist mit dem Pensum von 1989 gar nicht mehr zu vergleichen. Ohne jemanden, der täglich im Büro ist, kann man das gar nicht mehr leisten. Und ich habe mich mehrfach weitergebildet, unter anderem an der Handwerkskammer meinen Betriebswirt gemacht und jedes Jahr an Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen. In den meisten Familienbetrieben sind die Ehefrauen nicht mehr wegzudenken.
Andreas Schmidt: Das Thema wurde früher total vernachlässigt: Ehefrau im Betrieb. Mittlerweile ist das anders, denn für die Bürotätigkeiten musst du ständig auf dem Laufenden sein, etwas in Rechtsfragen oder Personalfragen. Deswegen gibt es von den Handwerkskammern und Innungen gezielte Schulungen speziell für mitarbeitende Ehefrauen.

Das Bauen mit Holz erlebt derzeit eine Renaissance. Die Auftragslage müsste also passen, oder?
Andreas Schmidt:
Holz ist gefragt wie nie. Deshalb haben wir Gott sei Dank gut zu tun und betreiben mehrere Baustellen parallel. Ich kommen zum Beispiel gerade von einer Baustelle in Hohenbrunn, und baut und koordiniert derzeit ein Holzhaus in kompletter Eigenregie in Hofolding. In der Regel sind wir in einem Umkreis von zwölf Kilometern anzutreffen. Weiter raus geht es nur mal durch Empfehlungen. Eingesetzt hat der große Schwung vor drei bis vier Jahren. Und steigert sich seither permanent.
Benedikt Schmidt: In Oberbayern wurde der Holzhausbau allerdings erst relativ spät angenommen. Und noch heute kämpft man manchmal gegen Klischees, dass ein Holzhaus nur ein besseres „Papperdeckel-Haus“ sei. Dabei hat Holz wahnsinnig viele Vorteile, zum Beispiel den deutlich geringeren Energieaufwand im Herstellungsprozess.

Mehr Aufträge bedeuten mehr Umsatz. Ist Ihr Unternehmen in den vergangenen Jahren gewachsen?
Andreas Schmidt:
Der Boom ist spürbar, aber volle Auftragsbücher bedeuten nicht automatisch mehr Gewinn. Denn mit mehr Aufträgen musst du anders kalkulieren und brauchst mehr Mitarbeiter. Wir haben deshalb unserer Mitarbeiterzahl aufgestockt.
Benedikt Schmidt: Das Problem ist, dass Fachpersonal generell fehlt. Eigentlich sind wir ständig auf der Suche.
Nina Schmidt: Aktuell haben wir auch zwei Lehrlinge in unserem Team. Wir haben immer schon ausgebildet. Denn wo sollen die Fachkräfte sonst herkommen? Mittlerweile sind unsere früheren Lehrlinge nun auch selbständig - und eine gewisse Konkurrenz.

Sie haben 80 Prozent Privatkundschaft. Was erwarten die Kunden im Münchner Raum von einem guten Handwerksbetrieb?
Andreas Schmidt:
Die Anforderungen der Kunden wachsen. Viele erwarten, dass ein Angebot noch am selben Tag der Erstanfrage an sie rausgeht. Auch die Ansprüche an die Bauqualität sind gestiegen.
Nina: Früher bist du einmal hingefahren, hast „ausgeratscht“, was zu tun ist - und es hat gepasst. Heute fährst du drei, vier Mal hin, um die Erstinformation einzuholen.

Warum sind die Ansprüche so hoch?
Andreas Schmidt:
Ich glaube, das hat etwas mit unserer allgemeinen gesellschaftlichen Verfassung zu tun. Du bestellst einen Artikel auf Amazon und nach einem Tag ist er da. Deshalb haben die Leute das Gefühl, das muss im Handwerk genauso sein. Aber das funktioniert nicht.

Wie behauptet sich ein Familienbetrieb wie Ihrer gegen die Konkurrenz?
Benedikt Schmidt:
Unser Plus gegenüber den „großen Anbietern“ ist unsere Individualität. Wir bauen kein „Haus Mathilda“ oder kein „Haus Hans“, sondern wir liefern für jeden Kunden ein echtes Einzelstück ab. Wir haben Freude an unserer Arbeit und geben das auch an unsere Kunden weiter.
Nina Schmidt: Der Wunsch nach einem verlässlichen Fachbetrieb vor Ort ist wieder größer geworden, das spüren wir auch. Und das Individuelle und das Persönliche ist eine Stärke von uns als Familienbetrieb.

Das Interview führte
Sophia Heyland.

Zeitungsartikel Zimmerei Schmidt